Ein Historiendrama in Schwarz-Weiß
10.02.2026 | „Rose“ im Berlinale-Wettbewerb
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Der österreichische Regisseur Markus Schleinzer hat ein Historiendrama gedreht – ganz ohne Pomp und opulente Kostüme. Angesiedelt im 17. Jahrhundert erzählt es die Geschichte einer Frau in Hosen in Schwarz-Weiß. Für den Filmemacher ein großartiges Medium, um Verbindendes zu verhandeln. Die großartige Sandra Hüller spielt die Titelfigur. Im Wettbewerb der Berlinale feiert „Rose“ Mitte Februar Weltpremiere. Ein bisschen Hamburg steckt auch darin.
Von Britta Schmeis
Historienfilme spielen gern mit bunten Kostümen, plakativen Requisiten und prächtigen Landschaften. Genau das will Markus Schleinzer nicht. Für ihn überschattet diese Staffage die Geschichte, erdrückt sie. Die Zuschauenden werden zu Voyeur*Innen, so meint er. Genau deswegen hat er sich für „Rose“ für Schwarz-Weiß entschieden. „Für mich ist das ein großartiges Medium, um etwas zu bündeln und zu fokussieren“, sagt er im Interview mit der MOIN Filmförderung, die den Film gefördert hat. Einige wichtige Teammitglieder kommen aus dem Norden. Wie auch das gute Catering. Der aktuell am Thalia Theater gastierende Schauspieler Marius ist in einer Rolle zu sehen ist. Am 15. Februar feiert der Film Weltpremiere auf der Berlinale, wo er um den goldenen Bären konkurriert.
Dieses Monochrome verweigert den Zuschauenden eine zu schnelle Zu- und Einordnung. „Soldaten beispielsweise können nicht sofort an der Farbe ihrer Uniformen unterschieden werden. Nicht das Rot von Blut ist dramatisch, sondern die Verletzung“, führt der Regisseur, Schauspieler und Caster aus. In Schwarz-Weiß werde der Blick weniger auf den Effekt und mehr auf das Wesentliche gelenkt. Die Geschichte, die Inszenierung, das Spiel und die Imagination der Zuschauenden ermöglichen die nuancierte Betrachtung.
Nur der Betrug ermöglicht den Frauen Freiheit
Angesiedelt im 17. Jahrhundert erzählt „Rose“ von einer Frau in Hosen. Sie taucht als Soldat aus dem 30-jährigen Krieg in einem protestantischen Dorf auf und erhebt Anspruch auf einen lange Zeit verlassenen und extrem verfallenen Hof. Die zunächst skeptische Dorfgemeinschaft gibt schnell ihr Misstrauen auf, als sie den Fleiß, die Gottesfürchtigkeit die Disziplin und auch den Erfolg des Sonderlings erkennt. Entstellt durch eine große Narbe im Gesicht strebt diese Rose (Sandra Hüller) nach Anerkennung und Freiheit. Doch ihr Leben fußt auf einer Lüge und auf Gier nach immer mehr. Um diesen Betrug aufrecht zu erhalten – auch um ihre Freiheit zu bewahren - schreckt sie nicht einmal davor zurück, die Tochter (Caro Braun) des Großbauern (Godehard Giese) zu heiraten.
Wie ein Stalker habe ich mir alle Filme von Sandra angeschaut.
Gemeinsam mit Alexander Brom hat Markus Schleinzer das Drehbuch geschrieben und ist dabei tief in die Historie von „Frauen in Hosen“ gestiegen. „Schon immer haben sich Frauen aus ganz unterschiedlichen Gründen als Männer ausgegeben“, erzählt er. Sandra Hüller als Rose hatte Markus dabei schon beim Schreiben im Kopf. 2023 stand er gemeinsam mit ihr für Frauke Finsterwalders „Sisi & Ich“ als Kaiser Franz Josef vor der Kamera. Auch das eine Art Historienfilm in sehr modernem Gewand. Er feierte ebenfalls auf der Berlinale Premiere. Markus beobachtete Sandra Hüller bei den Dreharbeiten sehr genau. „Und dann habe ich mir wie ein Stalker alle ihre Filme angeschaut.“ Von der Rolle sei sie schnell begeistert gewesen. „Dein Drehbuch ist ein Gedicht“, habe sie zu ihm gesagt, erinnert sich Markus. Und so hat der Film tatsächlich auch viel mit Erzählung zu tun.
Das 17. Jahrhundert hat der Österreicher ebenso bewusst gewählt. „Ich mochte die Kargheit und das Protestantische, über das wir viel in unserem Film transportieren.“ So gelingt es ihm, in der Vergangenheit etwas aus der Gegenwart zu verhandeln. Der Regisseur sieht „Rose“ daher auch als gesellschaftspolitischen Film ohne eine didaktische Keule. „Aber man wird immer wieder mit den gleichen Mechanismen konfrontiert. Und deswegen ist die Figur der Rose und der ganze Film für mich auch so aktuell.“ Davon kann sich das Publikum nun erst einmal auf der Berlinale überzeugen und dann in ganze Deutschland Ende April. Dann soll „Rose“ regulär in die Kinos kommen.




