„Manchmal ist es einfach gut, gemeinsam an einem Ort festzusitzen“, sagt Joakim Granberg und lacht. Der Drehbuchautor ist aus Stockholm angereist, um in dem kleinen Ort Pommersby im äußersten Norden Schleswig-Holsteins gemeinsam mit neun anderen Autor*innen an seiner neuen Filmidee zu arbeiten. Auf einem kleinen Landgut nur fünf Gehminuten von der Ostsee entfernt. Ohne Auto kommt man hier nicht einmal zum nächsten Kiosk. Doch genau das war auch der Plan: „Wir wurden alle mit einem Bus in Hamburg abgeholt – und als wir dann hier in der Natur angekommen sind, sind meine Schultern sofort runtergegangen. Ich liebe diesen Ort“, sagt der Hamburger Autor Toby Chlosta. Instant Entspannung ohne Ablenkung. Perfekte Voraussetzungen also für das, was als nächstes kommen sollte.
Eines der wichtigsten Mantras der Arbeitswoche: Trust the Process. Loslassen, Neues versuchen, sich inspirieren lassen. „Wir versuchen hier auf spielerische Weise Routinen aufzubrechen und den Teilnehmenden neue Strategien für die Drehbucharbeit an die Hand zu geben. Logisches Denken bringt einen nicht immer weiter“, sagt Simão Cayatte. Gemeinsam mit Gabrielle Brady bildete er das Tutor*innen-Team für die fünf Tage in Pommersby. Beide sind erfahrene Autor*innen und Regisseur*innen, die wissen, worauf es ankommt. Und beide Arbeiten als Tutor*innen für Le Groupe Ouest, eine der innovativsten europäischen Initiativen für Drehbuchentwicklung mit Sitz in Frankreich. Doch wie genau schafft man es, seine liebgewonnenen Routinen aufzubrechen und frischen Wind reinzulassen?
Eines der besten Werkzeuge sei laut Simão Cayatte „Orality“. Also Dinge nicht aufzuschreiben, sondern darüber zu reden – am besten mit knappen Zeitvorgaben. „Es kann viel mehr bringen, eine Geschichte jemand anderem zu erzählen. Dein Geist nimmt Umwege und Abkürzungen, wenn du sprichst, gerade wenn zwischendurch kurze Pausen entstehen oder du nur wenig Zeit hast“, sagt Cayatte. Und das, was am Ende herauskommt, könne einen dem Kern der Geschichte oder Charaktere deutlich näherbringen.